Vier Trassenkorridore im Vergleich (ACHTUNG: VERALTETER PLANUNGSSTAND, nur zu Dokumentationszwecken)

      Welche Verbindungen zwischen den Netzverknüpfungspunkten eignen sich?

      Als Ergebnis der detaillierten Analyse der Teilabschnitte geht es nun darum, diejenigen Teilstücke, die vergleichsweise gut abgeschnitten haben, zu sinnvollen Trassenkorridoren zusammenzufügen.

      Das heißt: Teilstücke, die sich im Vergleich als geeignet erwiesen haben, werden so kombiniert, dass sie in ihrer Summe einen möglichst direkten Verlauf zwischen den Netzverknüpfungspunkten Wilster und Grafenrheinfeld bilden. Gleichzeitig werden vergleichsweise ungünstige Teilstücke – soweit möglich – gemieden, wenn sie gleichzeitig zu einer wesentlich längeren Gesamtlänge des Trassenkorridors führen würden.

      Ein weiterer wichtiger Aspekt bei dieser Zusammenfügung ist, dass Korridorteilstücke, die “isoliert betrachtet“ gut geeignet sind, nicht einbezogen werden, falls sie zu Teilabschnitten hinführen, die besonders ungünstige Eignungen auf großen Längen aufweisen. Dies lässt sich etwa mit dem Straßenverkehr vergleichen: und zwar mit einer Sackgasse, die nur als Fußweg weiterführt und daher für die Verkehrsplanung keine grundlegende Rolle einnehmen kann.

      Auf Grundlage dieser Vorgehensweise ergeben sich insgesamt vier mögliche Verbindungen zwischen den Netzverknüpfungspunkten, die einen geeigneten und möglichst direkten Verlauf zwischen Wilster und Grafenrheinfeld aufzeigen.

      Die folgende Karte zeigt die auf diese Weise gefundenen Trassenkorridore
      (zum Vergrößern auf das Bild klicken):

      • Der Trassenkorridor „Mitte-West“ führt von Wilster aus direkt südlich nach Niedersachsen, passiert Verden/Aller und führt dann zwischen Hannover und Lehrte und vorbei an Hildesheim in Richtung Süden. Danach orientiert er sich in südwestlicher Richtung an Höxter, Beverungen und Warburg und westlich an Kassel vorbei. Von dort verläuft der Korridor westlich an Bad Hersfeld vorbei in Richtung Süden, um schließlich an Fulda vorbei nach Grafenrheinfeld zu führen.

      • Der zweite Trassenkorridor „West“ verläuft bis Verden identisch mit dem Trassenkorridor „Mitte-West“, schwenkt dann aber nach Westen in Richtung Bielefeld ab. Der weitere Verlauf führt an Paderborn vorbei in Richtung Korbach und Waldeck. Bei Borken stößt dieser Trassenkorridor dann wieder auf den Trassenkorridor „Mitte-West“, mit dem er auf der restlichen Strecke bis Grafenrheinfeld identisch ist.
      • Eine weitere Korridorlösung „Mitte“ verläuft bis nördlich von Hildesheim auf der gleichen Strecke wie der Trassenkorridor „Mitte-West“. Dann führt er an Bad Gandersheim und Northeim vorbei und westlich von Göttingen in Richtung Bad Hersfeld, das er im Osten passiert, um schließlich über Fulda auf dem letzten Teilstück des Trassenkorridors „Mitte-West“ bis Grafenrheinfeld zu verlaufen.
      • Ein vierter Trassenkorridor „Ost“ verläuft von Wilster aus zunächst an Pinneberg und Lüneburg vorbei und weiter im östlichen Niedersachsen bei Uelzen und Wolfsburg nach Sachsen-Anhalt. Dort passiert er Halberstadt und Quedlinburg und verläuft weiter nach Thüringen. Westlich von Gotha führt diese Korridorvariante dann Richtung Süden nach Bayern, um östlich an Bad Kissingen vorbei schließlich nach Grafenrheinfeld zu führen.

      In einem weiteren Vergleichsschritt werden diese vier Trassenkorridore nun noch einmal miteinander verglichen, um festzustellen, welcher von ihnen auf Basis aller Kriterien insgesamt am besten geeignet ist. Dabei entspricht das Vorgehen im Grunde der Methodik und den Kriterien, die auch bereits bei der Bewertung der Korridorteilstücke angewendet wurden. Zusätzlich können bei diesem Schritt nun noch die Gesamtlängen der Trassenkorridore zwischen den Netzverknüpfungspunkten miteinander verglichen werden – mit dem Ziel, Länge und Raumbedarf möglichst zu begrenzen.

      Ergebnis des Trassenkorridorvergleichs

      Um festzustellen, welcher der vier Trassenkorridore auf Basis aller Kriterien insgesamt am besten geeignet ist, werden diese in Ihrer Eignung miteinander verglichen. Das methodische Vorgehen hierzu ist im Musterantrag (Tabelle 25, S. 45) grundsätzlich angelegt. Die nachfolgende Tabelle zeigt zusammenfassend die Bewertung der vier Trassenkorridore im Vergleich. Dabei werden in der nachfolgenden Tabelle die absoluten Zahlen die sich auf Basis der verwendeten Bewertungskriterien ergeben miteinander verglichen (zum Vergrößern hier klicken):

      Im Antrag nach § 6 NABEG zur Bundesfachplanung werden die einzelnen Bewertungskriterien, die absoluten Zahlenwerte und die Gewichtung erläutert. Es werden fünf vorrangige Kriterien bei dem Vergleich herangezogen:

      • Riegel (Querriegel mit sehr hohem Raumwiderstand)
      • Flächen (mit sehr hohem Raumwiderstand)
      • Mehrfachbelegung (Querriegel mit 5- / 6-fach Belegung durch Kriterien hohen Raumwiderstands)
      • Engstellen (planerisch oder technisch)
      • Längen (Ausmaß des ungebündelten Verlaufs / neue Landschaftsinanspruchnahme)

      Ergibt sich bei den vorrangigen Kriterien Flächen, Mehrfachbelegung oder Länge keine klare Unterscheidung, so werden hilfsweise folgende drei nachrangige Kriterien herangezogen:

      • Flächen (mit hohem Raumwiderstand)
      • Mehrfachbelegung (Querriegel mit 3- / 4-fach Belegung durch Kriterien hohen Raumwiderstands)
      • Länge (Gesamtlänge)

       

      Die absoluten Werte je Kriterium werden für die vier Trassenkorridore miteinander verglichen. Dabei wird jeweils ein Mittelwert gebildet und positive Abweichungen in einem grünen Farbton, negative Abweichungen in einem pinken Farbton dargestellt (zum Vergrößern hier klicken):

      Das Ergebnis des Vergleichs aus der Tabelle oben wird in der folgenden Abbildung grafisch veranschaulicht. Die vorrangigen Kriterien werden hierbei als „große Kreise“, die nachrangigen als „kleine Kreise“ dargestellt (zum Vergrößern hier klicken):

      Trassenkorridor „West“

      Der Trassenkorridor erweist sich zusammen mit dem Korridor „Ost“ als die ungünstigste Lösung. Dies ergibt sich insbesondere durch die zum Teil weit unterdurchschnittlichen Bewertungen bei den Kriterien technische und planerische Engstellen, Flächen mit sehr hohem Raumwiderstand sowie dem Ausmaß des ungebündelten Verlaufs / der neuen Landschaftsinanspruchnahme (Längen). Nur beim Kriterium der Mehrfachbelegung (Querriegel mit 5- / 6-fach Belegung durch Kriterien hohen Raumwiderstands) liegt der Korridor deutlich über dem Durchschnitt.

      Trassenkorridor „Mitte/West“

      Dieser Korridor erweist sich als die mit Abstand beste Lösung. Dies resultiert aus den zum Teil weit überdurchschnittlichen Bewertungen über alle Primärkriterien hinweg.

      Trassenkorridor „Mitte“

      Der Trassenkorridor „Mitte“ ist grundsätzlich als die zweitbeste Lösung einzustufen (siehe hierzu jedoch auch: Berücksichtigung besondere Erkenntnisse aus dem Vorhaben Wahle – Mecklar weiter unten im Text). Dies ergibt sich durch eine meist leicht überdurchschnittliche Bewertung bei allen Primärkriterien mit Ausnahme des Kriteriums der technischen und planerischen Engstellen, bei denen der Korridor eine durchschnittliche Bewertung aufweist.

      Trassenkorridor „Ost“

      Dieser Korridor erweist sich zusammen mit dem Korridor „West“ als die ungünstigste Lösung. Der Grund dafür liegt insbesondere in den weit unterdurchschnittlichen Bewertungen bei den Kriterien Ausmaß des ungebündelten Verlaufs / der neuen Landschaftsinanspruchnahme (Längen), Riegeln mit sehr hohem Raumwiderstand sowie Mehrfachbelegung (Querriegel mit 5- / 6-fach Belegung durch Kriterien hohen Raumwiderstands). Nur beim Kriterium Engstellen liegt der Korridor deutlich, beim Kriterium Flächen mit sehr hohem Raumwiderstand leicht über dem Durchschnitt.

      Sondersituation des Trassenkorridors „Mitte“ unter Berücksichtigung des EnLAG-Vorhabens 380 kV-Leitung Wahle-Mecklar

      Für den Trassenkorridor "Mitte" wird in Teilen die Planung der geplanten 380-kV-Leitung zwischen Wahle in Niedersachsen und Mecklar in Hessen als Bündelungsoption aufgegriffen. Vorhabenträgerin für dieses Projekt ist - genauso wie für das vorliegend beantragte Vorhaben Wilster-Grafenrheinfeld - TenneT. Aus den Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren zu diesem Projekt liegen TenneT Zusatzerkenntnisse für zwei Engstellen im Bereich Werratal und Niederkaufungen vor, die die Errichtung einer weiteren Höchstspannungstrasse in diesen beiden Bereichen als nicht umsetzbar erscheinen lassen

      Im Ergebnis des Vergleichs der vier Trassenkorridore zwischen den Netzverknüpfungspunkten sowie der oben beschriebenen Sondersituation für den Trassenkorridor „Mitte“ wird der Korridor „Mitte/West“ als Trassenkorridor vorgeschlagen.

       

       

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